Wo gesellschaftliche Risse auftauchen und wo Kitt zu Zusammenhalt beitragen soll, lässt sich im öffentlichen Raum besonders deutlich beobachten. Auf Straßen, Plätzen, in Parks oder
Passagen verdichten sich Konflikte um Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Ressourcen – und zugleich entstehen dort Begegnungen, Aushandlungen und (manchmal) neue Formen von Zusammenhalt und kollektiver Aneignung.
Politische Bildung im öffentlichen Raum setzt genau hier an: Sie nutzt die Risse als Lernanlass, um Machtverhältnisse, Ausschlüsse und Deutungskämpfe sichtbar und diskutierbar zu machen – und sie arbeitet zugleich an dem, was „Kitt“ sein kann: an Gesprächsfähigkeit, Perspektivwechsel, demokratischer Urteilsbildung und praktischer Teilhabe.
Welche Bildungsformate im öffentlichen Raum dabei plausibel, legitim und wirksam erscheinen, hängt davon ab, welches Demokratie- und Öffentlichkeitsverständnis ihnen zugrunde liegt. Zum einen wird öffentlicher Raum als Infrastruktur demokratischer Selbstverständigung gelesen: Begegnung, Gespräch und die Suche nach gemeinsamen Gründen und solidarischer Praxis stehen im Vordergrund.
Zum anderen ist öffentlicher Raum Ausdruck materialisierter Machtverhältnisse und Austragungsort politischer Konflikte um Sichtbarkeit, Anerkennung und Teilhabe. Politische Bildung steht damit vor der Frage, wie sie demokratische Verständigung ermöglicht, ohne Ungleichheit zu ignorieren und Dissens zu neutralisieren.

