So wie lange Zeit angenommen wurde, dass Kriege in Europa der Vergangenheit angehören, galt auch die Epoche direkter militärischer Interventionen der USA in Lateinamerika als überwunden – bis Anfang 2026 eine US‑Militäroperation in Venezuela stattfand. Dabei wurde der venezolanische Präsident, Nicolás Maduro, von US‑Streitkräften festgesetzt und anschließend in die Vereinigten Staaten gebracht, wo er sich vor einem Bundesgericht in New York wegen verschiedener Anklagepunkte verantworten muss. Diese Aktion hat international zu kontroversen Bewertungen geführt und Fragen zur rechtlichen Grundlage sowie zu den politischen Konsequenzen aufgeworfen.
In Venezuela selbst ist die Lage komplex: Nach der Operation wurde die frühere Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als amtierende Präsidentin eingesetzt, politische Gefangene wurden teilweise freigelassen, zugleich berichten unabhängige Medien weiterhin von Festnahmen und einer starken Präsenz regierungsnaher Kräfte. Gleichzeitig setzt sich die Migration venezolanischer Staatsbürger*innen in andere Länder fort.
Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen zur aktuellen Stimmung in der venezolanischen Bevölkerung, zur Entwicklung der Repression, zu möglichen Veränderungen in der Versorgungslage sowie zur Perspektive von Millionen Menschen, die ihr Land in den vergangenen Jahren verlassen haben.
Zu diesen Themen diskutieren Jesús Renzullo, Doktorand am Institut für Lateinamerika‑Studien (ILAS) am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg, und Julián Ferrín, Entwicklungsökonom und Vizepräsident des gemeinnützigen Vereins Pro‑Venezuela, der vor zehn Jahren gegründet wurde.

