Kolonialismus und Frieden – Welche Konzepte stecken hinter diesen Begriffen?
Dass Friede mehr sei als die Abwesenheit von Krieg, würde weitgehend Zustimmung finden. Aber schon bei der Frage, was denn „Krieg“ wäre, würden viele den Kopf schütteln und denken, das sei doch klar. Und schon säße man in der postkolonialen Falle. Denn „Krieg“ ist als Begriff im „Abendland“ entstanden und bezieht seine Bedeutung von hierher. Und auch dieses „Abendland“ ist kein Begriff mit einer objektiven Bedeutung, sondern nur denkbar als auf etwas anderes, auf das „Morgenland“ Bezogenes. Okzident und Orient existieren nicht für sich, sondern nur gemeinsam und in Abgrenzung zueinander. Genau so verhält es sich mit den Kolonien, der Kolonisierung und dem (Post)Kolonialismus. Kolonisierte werden „Krieg" anders beschreiben als Kolonialisten.
Wir müssen also, wenn wir über Krieg, Frieden, Kolonialismus reden wollen, auch über die Konzepte reden, die hinter den Begriffen stehen. Und es muss an ganz konkreten Kriegen, Gaza, Ukraine, Iran überprüft werden, ob und wie diese Konzepte und Begriffe kritisch verwendet werden können.

