Von Kolonialismus spricht man im Allgemeinen, wenn einzelne Staaten Gebiete, meist in anderen Weltregionen, für sich beanspruchten. Im Zuge dessen wurden lokale Bevölkerungen oft gewalttätig unterworfen. Häufig ist der Bezug zu diesem Begriff historisch. Die Veranstaltung fragt, inwieweit man heute von einem neuen „Digitalen Kolonialismus“ sprechen kann und ob das Konzept an dieser Stelle passt.
Im Seminar analysieren die Teilnehmenden die globale Machtverteilung im digitalen Zeitalter. Im Fokus steht die Frage, wie große Tech-Konzerne Märkte und Datenräume unter sich aufteilen, ihre Machtpositionen aufbauen und durch politische wie ökonomische Strategien absichern. Dee Arbeitsbedingungen innerhalb der Digitalwirtschaft werden beleuchtet, von prekären Klickarbeiter:innen bis hin zu ausgelagerten Rechenzentren, und die Teilnehmenden diskutieren die sozialen sowie politischen Folgekosten dieser Strukturen. Ein zentraler Aspekt ist die Rolle des Globalen Südens: Welche ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Preise werden dort für die digitale Infrastruktur und Datenproduktion gezahlt, und wie spiegeln sich darin alte koloniale Machtverhältnisse wider? Darüber hinaus gehen die Teilnehmenden der Frage nach, wie über Digitalisierung kommuniziert wird und ob Technologien wie Algorithmen künstlicher Intelligenz bestehende Diskriminierungen reproduzieren – bis hin zu rassistischen Strukturen in digitalen Systemen.

