Über fünfzig Jahre Diktatur. Vierzehn Jahre Krieg, Zerstörung, Flucht und Angst. Das ist Syrien. Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben, Hunderttausende verloren ihr Leben. Und jetzt – ein Neubeginn? Ein freies Syrien?
Lutz Jäkel, Fotojournalist und Autor, kennt Syrien seit über dreißig Jahren, aus der Nähe, aus der Ferne. Er hat in Damaskus gelebt, das Land vielfach bereist, Freundschaften geschlossen, das Syrien der Menschen lieben gelernt, nicht das der Macht. Vierzehn Jahre lang musste er wegen des Krieges fernbleiben. Für ihn schien Syrien verloren, die Revolution von 2011 gescheitert. So dachten viele.
Dann, plötzlich, der Wendepunkt im Dezember 2024. Das Regime stürzt. Und nur wenige Tage später macht sich Lutz Jäkel auf den Weg, kehrt in das geschundene Land zurück, wenige Monate später reist er noch mal hin. Trifft alte Bekannte, langjährige Freunde. So wie Amer, den er nach etlichen Jahren wieder in die Arme schließt und der noch 2024 vom Geheimdienst verhaftet und eingekerkert wurde. Im christlichen Viertel von Damaskus feiern Christen ihr erstes Weihnachtsfest ohne Diktatur. Im berühmten Café Noufara schlurft Kellner Ahmad plötzlich heran, sagt: "Hallo Lutz, wie geht es dir?" Als sei nichts gewesen in den letzten vierzehn Jahren.
Aber da sind auch erschütternde Geschichten. So zeigt Zubaida Lutz die Stelle, an der sie 2012 bei einem Massaker ihren Ehemann verloren hat; nun hofft sie auf Gerechtigkeit. Im berüchtigten Foltergefängnis Sednaya hält Abdulhamid ein Foto seines Sohnes in die Kamera, seit Jahren verschollen; wo er genau ist, ob er noch lebt, weiß Abdulhamid nicht. Ein HTS-Kämpfer führt Lutz in eine Drogenfabrik, lässt aus Kisten Millionen von Pillen rieseln. Damit hatte das Assad-Regime sich bereichert und den Krieg finanziert.
Die Rückkehr nach Syrien ist die persönlichste Reise des Nahost-Kenners. Eine Spurensuche in einem zerrissenen, aber nicht verlorenen Land. So hört Lutz bei seinen Reisen durch das neue Syrien Geschichten von Trauer, Verlust, aber auch von unglaublicher Widerstandsfähigkeit, von Hoffnung und der Schönheit menschlicher Verbundenheit. Er spricht mit Menschen, die geblieben oder zurückgekehrt sind, dokumentiert ihre Geschichten, ihre Zweifel, ihre leise Zuversicht ebenso wie ihre Freude über die neue Freiheit.
Nach dem großen Erfolg mit seiner ersten Live-Reportage über das Syrien vor dem Krieg, ist die neue Live-Reportage von Lutz Jäkel ein journalistisches Protokoll, ein emotionaler Blick auf ein Land im Umbruch, auf Syrien und seine Menschen nach dem Krieg und der Diktatur. Wo das Schweigen nach Jahrzehnten der Angst endet.
Auf dem legendären Vortragsfestival El Mundo 2025 in Judenburg/Österreich wurde "Das neue Syrien" mit dem 2. Preis als "Bester Vortrag" ausgezeichnet. Eine Fotoserie aus dem neuen Syrien hat den 1. Preis des "EISA Maestro Photo Contest" in der Kategorie "Street Life" gewonnen und bei den "TDM Awards" eine "Honorable Mention" erhalten.

