Das zentrale Portal zum Globalen Lernen und
zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

“Mit kolonialen Grüßen … Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet”

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Wenn wir auf Reisen oder sogar für eine längere Zeit in den Globalen Süden gehen, erleben wir ungemein viel und möchten gerne unseren Freund_innen und Verwandten zuhause berichten und sie an unseren Erlebnissen, Erfahrungen und Eindrücken teilhaben lassen. Ganz egal, ob wir als Tourist*innen, z. B. als Rucksackreisende, unterwegs sind, dort einen Job, einen Freiwilligendienst oder ein Praktikum absolvieren – wir fotografieren und erzählen in E-Mails, Social Media, (Rund-)Briefen oder einem eigenen Blog, wie es uns geht, was uns bewegt, überrascht, glücklich macht oder irritiert. Wieder zurück gehen das Erzählen und Zeigen von Fotos meist erst richtig los.

Die Broschüre bietet einen Einstieg für Menschen, die sich Gedanken darüber machen wollen, inwiefern ihre Wahrnehmungen und Berichte über den Globalen Süden in rassistische und koloniale Strukturen verwickelt sind. Sie führt in zentrale Themen wie Kolonialismus und Rassismus ein und beschäftigt sich mit Fragen der eigenen gesellschaftlichen Positionierung. Sie verdeutlicht die Wirkungsmacht von Sprache und Bildern und zeigt einige der häufig in Berichten auftauchenden Erzählmuster auf. Leitfragen und Anregungen ermöglichen es den Leser*innen, eigene Vorstellungen, Sprechweisen und Bilder selbstkritisch unter die Lupe zu nehmen und davon ausgehend alternative Handlungsoptionen zu entwickeln.

Über die Entstehung der Broschüre

glokal e.V. arbeitet seit einigen Jahren in der (entwicklungs-)politischen Bildungsarbeit, auch in der Vor- und Nachbereitung sowie Begleitung von jungen Menschen, die einen Freiwilligendienst, eine Jugendbegegnung oder einen Schüler*innenaustausch in Ländern des globalen Südens machen. Durch unsere Arbeit ist uns immer wieder aufgefallen, dass viele der Berichte, Blogs und Bilder nicht mit den Inhalten der pädagogischen Begleitung und den Zielen der Organisationen und Förderprogramme übereinstimmen, sondern diesen sogar widersprechen. Während z.B. auf Begleitseminaren die Themen Vorurteile und Rassismus den Trainer*innen oftmals ein Anliegen sind, werden Menschen und Länder des globalen Südens in den Berichten überwiegend stereotyp und rassistisch dargestellt – sei es bewusst oder unbewusst. All dies ist natürlich Teil dessen, wie der globale Süden generell im und durch den globalen Norden, z.B. in Schulbüchern oder in den Medien, repräsentiert wird. Unsere eigenen Erfahrungen als Reisende, Berichte von Freund*_innen und Bekannten und das Wissen darüber, dass Teilnehmende von Freiwilligendiensten im globalen Süden oft einen Großteil ihrer Freizeit damit verbringen, mit Freund*innen und Familie zu kommunizieren und vom Erlebten zu berichten, hat uns dazu bewogen, uns diesem Themenbereich zu widmen.