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Der FAIRWANDLER-Preis zeichnet entwicklungspolitisch engagierte junge Menschen aus

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Immer mehr junge Menschen stören sich am Ungleichgewicht in der Welt, zu dem die reichen Industrienationen wesentlich beitragen. "Wir finden die Ausbeutung rohstoffreicher Länder zu unserer Wohlstandssteigerung einfach ungerecht!", erklärt etwa Tina Boes, Mitbegründerin von "Kauri", einem der vier preisgekrönten Projekte. Die drei Macherinnen von "Kauri" haben sich nicht weniger vorgenommen, als die Schmuckbranche zu revolutionieren und Alternativen zu konfliktbelasteten Materialien wie Gold aufzeigen. "Kauri bietet spannende Alternativen zu konventionell abgebautem Gold, die man mit gutem Gewissen tragen kann", sagt Boes. Gerade haben die drei Absolventinnen aus Duisburg ihre erste Kollektion mit Ehe- und Freundschaftsringen aus Sand (!) entworfen. Den mit 2.500 Euro dotierten Preis können sie dafür gut gebrauchen.

Auch die drei anderen ausgezeichneten jungen Projekte engagieren sich für eine gerechtere Welt: Das Team von "GlobalMatch e.V." hat genug von der westlich definierten Entwicklungshilfe. Die Studierenden aus München haben eine Onlineplattform entwickelt, auf der sie Menschen aus dem Globalen Norden und Süden zusammenbringen, um einen „Austausch von Ideen und Wissen auf Augenhöhe“ zu ermöglichen.

Die Berliner Initiative "Restlos glücklich e.V." macht in Workshops und Kochkursen die tägliche Lebensmittelverschwendung bewusst und zeigt, dass es auch anders geht. Ausgezeichnet wurde außerdem das Projekt "Multi-Schulung Flucht" der BUNDjugend NRW e.V.: "Uns ist aufgefallen, dass in Deutschland hauptsächlich Menschen über Fluchterfahrung sprechen, die selbst gar nicht davon betroffen sind", erklärt Felix Popescu von der Soester Initiative. "Wir schulen geflüchtete Menschen, dass sie selbst Workshops über Migration halten können."

"Der FAIRWANDLER-Preis zeigt, wie bunt und vielfältig entwicklungspolitisches Engagement sein kann", würdigt Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), die Preisträgerinnen und den Preisträger. "Mit unserem bundesweiten Preis wollen wir junges, entwicklungspolitisches Engagement sichtbar machen und fördern", so Matthias Wilkes, Stiftungsratsvorsitzender der KKS. Neben dem Preisgeld erhalten die Ausgezeichneten fachliche Unterstützung durch ehrenamtliche Paten und Patinnen.

Allen 14 nominierten Initiativen gemein ist, dass sie von jungen Menschen ins Leben gerufen wurden, die selbst einige Zeit in sogenannten Entwicklungsländern gelebt haben. Allein im Rahmen des vom BMZ geförderten "weltwärts"-Freiwilligendienstes, an dem sich auch die KKS beteiligt, haben sich in den vergangenen zehn Jahren bundesweit über 34.000 junge Menschen im Globalen Süden engagiert.

Am 18. November 2016 wurde in Frankfurt am Main zum ersten Mal der FAIRWANDLER-Preis verliehen. Seitdem steht der neue Award in Deutschlands Preiselandschaft für die Anerkennung und Wertschätzung junger Menschen, die durch eine Aus(lands)zeit im Globalen Süden dazu motiviert wurden, sich mit eigenen Projekten gesellschaftlich zu engagieren.

Idee
Zentrales Element des FAIRwandler-Preises ist der „Klick im Kopf“: Viele Freiwillige werden in ihrer Einsatzzeit im Globalen Süden mit starken neuen Erfahrungen konfrontiert und entwickeln so neue Sichtweisen zu globalen Fragen von Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit. Dies motiviert sie, sich nach ihrem Dienst in Deutschland zu engagieren. Aus der eigenen, gesicherten Lebensrealität leiten sie eine Verantwortung für faire Änderung in ihrem Heimatland ab. Sie gehen mit ihren Botschaften in die Öffentlichkeit und wirken in unterschiedliche Gesellschaftsbereiche hinein. An vielen Orten in Deutschland entstehen daraus ehrenamtliche Initiativen, die sich für global verantwortungsvolles Denken und Handeln einsetzen.

Preis
Der FAIRwandler-Preis will dieses Engagement junger Zurückgekehrter sichtbar machen, auszeichnen und bestärken. Das Konzept dazu wurde von der Karl Kübel Stiftung in Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen entwickelt: Bewerben können sich junge Menschen (18 bis 32 Jahre), die sich nach einem mindestens dreimonatigen Aufenthalt im Globalen Süden in Deutschland entwicklungspolitisch engagieren.
Besonderheit des Preises ist, dass er zwei Komponenten umfasst: eine finanzielle Förderung (2.500 Euro) und eine nicht-pekuniäre, individuelle Unterstützung durch ehrenamtliche Expertinnen und Experten, die den Ausgezeichneten als fachliche Coaches zur Seite stehen.

Chancen
Fairwandlerinnen und Fairwandler zeigen, dass internationale Freiwilligendienste einen relevanten gesellschaftlichen Mehrwert durch das Engagement von Zurückgekehrten schaffen. Deutschland profitiert in vielerlei Hinsicht von den Erfahrungen und Erkenntnissen der ehemaligen Freiwilligen: Sie sind mit ihren Projekten junge Akteure für Nachhaltige Entwicklung, wenn sie sich für kritischen Konsum, nachhaltiges Wachstum und globale Partnerschaften einsetzen. Darüber hinaus vermitteln sie ihrem Lebensumfeld Werte und Sichtweisen anderer Kulturen, machen Vorurteile bewusst und geben Impulse zur Veränderung. Gerade für ein Einwanderungsland wie Deutschland ist dieses Engagement von unschätzbarem Wert und verdient hohe öffentliche Anerkennung.