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Mai-Newsletter: Kinderrechte

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Liebe Leser*innen,

vor mehr als 30 Jahren – am 5. April 1992 – hat Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Das völkerrechtlich bindende Vertragswerk ist eine Errungenschaft, denn es verbrieft für jedes Kind das Recht, gesund und sicher groß zu werden und seine Fähigkeiten voll zu entfalten. Mit der Ratifizierung hat sich auch Deutschland verpflichtet, die Belange von Kindern und Jugendlichen bei allen politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen, die sie betreffen, zu stärken und die Kinderrechte bekannt zu machen.

Fragt man Erwachsene in Deutschland, wissen gut die Hälfte von der UN-Kinderrechtskonvention, aber nur 16 Prozent bestätigen, dass sie sich gut mit dem Thema auskennen. In anderen Industrieländern ist die Lage ähnlich. Diese Zahlen passen zu der Beobachtung, dass auch Erwachsene, die direkt mit Kindern arbeiten, oft in ihrer Ausbildung nichts oder zu wenig über Kinderrechte lernen, weil diese nicht verpflichtend in den entsprechenden Lehr- bzw. Ausbildungsplänen fixiert sind.

Dabei erklärt die UN-Kinderrechtskonvention Erwachsene zu Pflichtenträger*innen, die dafür verantwortlich sind, die Kinderrechte zu achten, umzusetzen und zu vermitteln. Kinder und Jugendliche macht sie zu Rechteinhaber*innen. Wichtig und unabdingbar hierfür ist, dass Erwachsene, aber vor allem auch Kinder und Jugendliche, die Kinderrechte kennen. Vor allem die Kinder und Jugendlichen erreichen wir am besten über die Schulen.

Seit rund 30 Jahren setzt sich UNICEF deshalb in vielen Ländern dafür ein, dass immer mehr Schulen die UN-Kinderrechtskonvention ganzheitlich und nachhaltig im Schulkonzept verankern und die Kinderrechte im Schulalltag leben. Schulen entwickeln sich über ein von UNICEF Deutschland und Partnern entwickeltes Programm zu Kinderrechteschulen weiter. Kinder und Jugendliche werden dort nicht nur über ihre Rechte informiert, sondern zum Beispiel auch bewusst in Entscheidungen eingebunden, die sie betreffen. Es geht aber auch darum, die Schüler*innen dabei zu unterstützen, sich an der Schule sicher zu fühlen und bestmöglich gefördert zu werden. Wenn Kinderrechte gelebt werden, verändert sich das Schulleben. Die Kinder und Jugendlichen wachsen über sich hinaus und übernehmen mehr Verantwortung, für sich und Gleichaltrige.

Doch auch Schulen, die nicht am Programm teilnehmen, können die Kinderrechte auf vielfältige Weise vermitteln und leben:

• So geben Unterrichtsmaterialien von UNICEF zu Themen wie z.B. Krieg und Flucht, Gesundheit, Bildung und Nachhaltigkeit Schüler*innen gute Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen sowie die Verwirklichung der Kinderrechte weltweit.
• Jahrestage wie beispielsweise der Tag der Kinderarbeit am 12. Juni oder der Tag der Kinderrechte am 20. November geben darüber hinaus die Möglichkeit, über die Schicksale von Kindern und Kinderrechtsverletzungen weltweit zu sprechen.
• Mit Lauf- und Lese-Aktionen oder Projektwochen können Schüler*innen über Kinderrechte informiert werden, ihr Wissen weitergeben und dabei Gleichaltrigen helfen.

Erst wenn die UN-Kinderrechtskonvention fest in den Schulkonzepten verankert ist, können wir gemeinsam und dauerhaft einen Wandel in Gesellschaft und Politik bewirken – in Deutschland und weltweit. Veränderung braucht Zeit. Aber wir können heute damit beginnen. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, die Kinderrechte mehr in den gesellschaftlichen und politischen Fokus zu rücken. Nicht zuletzt die Folgen der Corona-Pandemie zeigen uns tagtäglich, wie wichtig die Verwirklichung der Kinderrechte für alle Kinder ist. 

Wir freuen uns daher sehr, dass dieser Newsletter den Kinderrechten gewidmet ist, und wünschen eine interessante Lektüre.

Ann-Sophie Holz, UNICEF Deutschland
EWIK-Kooperationspartner