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Newsletter Juli/August: Indigene Völker und Sprachen

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Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie gewusst, dass 2019 das Jahr der indigenen Sprachen ist?

Allein in Brasilien leben 300 verschiedene indigene Völker, die um den Erhalt ihrer Kultur und die Anerkennung ihrer Rechte kämpfen. Dazu gehört neben der Landfrage die Forderung nach adäquater Bildung. Denn Sprache ist ein wesentliches Transportmedium und sie bildet die jeweilige Weltsicht ab. Diese unterscheidet sich bei Indigenen wesentlich von dem, wie z. B. Wirtschaftsunternehmen die Welt interpretieren. Wenn Sprache nicht mehr gelernt wird – weil indigenes Leben in vielen Ländern eher als Makel denn als Qualitätsmerkmal wahrgenommen wird – geht ein Stück Identität verloren.
Schulen sollten Orte sein, wo das Selbstbewusstsein der Lernenden gestärkt wird, egal welche Hautfarbe sie haben. In einem plurinationalen Land wie Brasilien bedeutet dies die Anerkennung von Vielfalt als Bereicherung.

In indigenen Schulen z. B. im Amazonasraum wird neben der Sprachvermittlung auf die Vermittlung indigener Rechte Wert gelegt. Denn Indigene sind nicht rückständig. Neben Pfeil und Bogen sind längst das Laptop oder Handy und der Draht zur Welt getreten, die sie von allen Seiten bedrängt. Ihre Ehrfurcht gegenüber Natur und der Kosmovision von Pachamama (Mutter Erde) ist geblieben. Längst sind Indigene in der globalen Welt angekommen, deren Sprache sprechen zu lernen ist überlebensnotwendig für sie.

Selbstbewusst treten heute Frauen wie Joenia Wapichana (sie ist die erste Juristin und indigene Abgeordnete Brasiliens im aktuellen Parlament) und Sonia Guajajara (sie war die erste Vize-Präsidentschaftskandidatin im Wahlkampf 2018 in Brasilien und vertritt einen Zusammenschluss indigener Völker) auch auf internationaler Bühne auf. Ausgehend von ihrer eigenen Kultur und Sprache sind sie durch internationale Unterstützung gut ausgebildet. Autorisiert von ihren Völkern wehren sie sich politisch gegen den Assimilierungsdruck der Regierung Bolsonaro.
Die Publikation Brasilicum, die Fachtagung Runder Tisch Brasilien und viele andere Aktivitäten des Ländernetzwerks Kooperation Brasilien – KoBra e. V. arbeiten an der Sichtbarmachung dieser Kämpfe mit.

In diesem Newsletter finden Sie Materialien, Aktionen und Beiträge, die sich mit dem Leben indigener Völker und mit deren Sprachen beschäftigen. Sie finden außerdem aktuelle Meldungen von Portal, Blog und aus den Fokusrubriken sowie Veranstaltungshinweise.

Uta Grunert
KoBra – Kooperation Brasilien e.V.

EWIK-Kooperationspartner