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Aktueller Newsletter zum Thema Entwicklungserfolge / Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

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Sketchnotes Zusammenhalt. Quelle: Jasmine Seeberger (http://bilder.tibs.at/node/43369) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 AT (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/at/)

Liebe Leserinnen und Leser,

seit vielen Jahrzehnten sind Lehrerinnen und Lehrer, Akteure der entwicklungspolitischen Bildung und entwicklungspolitische Gruppen damit befasst, die Menschen hier bei uns zum Perspektivenwechsel aufzufordern, ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Entwicklungen in der Welt zu lenken. Doch meistens geht es um einen bestimmten Ausschnitt der Weltentwicklung, fokussiert auf Defizite und Probleme. Armut, Hunger, Elend, Kriege, Ausbeutung oder Kinderarbeit sind die bevorzugten Themenfelder dieser „schwarzen Entwicklungspädagogik“, die mit immer neuen Beispielen den Niedergang der Welt beweist. Es ist kein Wunder, dass Entwicklungspolitik bei den meisten Menschen mit Gefühlen von Scheitern, Ausweglosigkeit konnotiert ist.

Was wäre eigentlich, wenn unser Blick auf Entwicklung von einer anderen Perspektive bestimmt wäre, einer Perspektive des Gelingens? Wenn wir zur Kenntnis nähmen, dass die weltweite Armut drastisch abgenommen hat, dass hunderte von Millionen Menschen der extremen Armut entkommen sind, dass die Lebenserwartung überall gestiegen und die Kindersterblichkeit in allen Kontinenten (seit 1990) mehr als halbiert wurde? Was würde sich verändern, wenn wir aus dem Wissen von diesen eindrucksvollen sozialen Entwicklungserfolgen über die Zukunft der Welt ins Gespräch kämen statt weiterhin nur dem Niedergang das Wort zu reden?

Doch eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein aufrechter Linker zugeben würde, dass es auch unter den Bedingungen kapitalistischer Globalisierung bemerkenswerte soziale Fortschritte gegeben hat. Weil so etwas nicht in das eigene Weltbild passt, werden Verbesserungen und Erfolge meist ignoriert oder klein geredet. Da wird oft (verringerte) Armut mit (fortbestehender) Ungleichheit verwechselt, da werden die Statistiken von Weltbank und von den UN-Organisationen bezweifelt, da reichen Hinweise auf ökologische Folgen des wachsenden Wohlstands aus, um auch gleich die sozialen Verbesserungen (wie z.B. die gestiegene Lebenserwartung) in Abrede zu stellen. Am Ende helfen dann auch düstere Zukunftsprognosen (Corona, Klimawandel), um aktuell eingetretene Entwicklungserfolge zu übergehen.

Die Narrative des Gelingens zu erzählen – das wäre ein echter Paradigmenwechsel in der entwicklungspolitischen Bildung mit weitreichenden Folgen. Er wäre Einladung an unsere Mitmenschen, sich über die besseren Lebenschancen in der Welt zu freuen und von einer hoffnungsvolleren Perspektive auf die Welt zu blicken. Er könnte befähigen, die aktuellen Herausforderungen zu erkennen, die sich aus der zunehmenden Verletzung der planetarischen (ökologischen) Grenzen und der wachsenden sozialen Ungleichheit ergeben. Er könnte sogar die Bereitschaft der Menschen verbessern, auch diejenigen Bevölkerungsgruppen in den Blick zu nehmen, an denen die Entwicklungserfolge bisher vorbei gegangen sind.

Ein solcher Paradigmenwechsel hat mit Widerstand zu rechnen. Diejenigen, die an ihrem Weltbild (arm bleibt arm) festhalten wollen, werden die Entwicklungserfolge bestreiten und denjenigen, die von Entwicklungserfolgen sprechen, vorwerfen, dass sie die Weltprobleme ignorierten oder nur versuchten, den Status quo zu verteidigen. Doch ein „weiter so“ kann es schon aus ökologischen Gründen nicht geben. Die große Transformation, wie sie von der Agenda 2030 gefordert wird, ist eine unbedingte Herausforderung für alle Staaten der Erde. Daran ändert sich nichts, auch wenn es eine bemerkenswerte soziale Entwicklung in so vielen Teilen der Welt gegeben hat. Diese positive Entwicklung weiter zu ignorieren, ist aber weder pädagogisch sinnvoll noch politisch zielführend.

Dieser Newsletter stellt Bildungsmaterialien, Filme, Weiterbildungs- und Austauschangebote wie auch zahlreiche Hintergrundinformationen vor, die sich mit dem Themenkomplex Entwicklung, Entwicklungszusammenarbeit und globale Partnerschaften beschäftigen. Schwerpunktunabhängige Meldungen, Neues aus den Fokus-Rubriken, vom Blog sowie Veranstaltungshinweise runden das Angebot ab.

Georg Krämer – Welthaus Bielefeld

EWIK-Kooperationspartner