Das zentrale Portal zum Globalen Lernen und
zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Unser Portal-Newsletter im Juli / August 2021 zum Thema Krieg und Gewalt

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#StopViolence. Szene aus dem Graffiti-Stop-Motion-Film der Kindernothilfe

Liebe Leser*innen,

kurz vor der Bundestagswahl geht es einmal mehr darum, ob Deutschland auch in den kommenden vier Jahren die Militärausgaben weiter steigert oder stattdessen die zivile Konfliktbearbeitung stärkt.

„Vorrang für Zivil“ – das sollte bereits in der (friedens-)politischen Bildungsarbeit an Schulen gelten. Doch mit großem finanziellen Aufwand wirbt die Bundeswehr seit einigen Jahren um Nachwuchs für die Truppe. Regelmäßig besuchen Jugendoffiziere der Bundeswehr Schulen und informieren Schüler*innen über ihre Arbeit. Abkommen der Bundeswehr mit einzelnen Landesregierungen räumen der Bundeswehr weit reichende Möglichkeiten im Bereich der politischen Bildung sowie bei der Aus- und Weiterbildung (angehender) Lehrer*innen ein.

Explizite „Werbung“ für ihre Tätigkeiten darf die Bundeswehr im schulischen Kontext nicht machen. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Information und Werbung? „Wenn ich Offiziere vor eine Klasse schicke, dann ist da zwar die Intention der Information da, aber wir haben ja auch eine Wirkung, und diese Wirkung ist dann eben doch Werbung“, sagt auch der Berliner Sozialdemokrat Timo Schramm, der selbst vier Jahre Zeitsoldat war.

Aus friedenspädagogischer Sicht ist es dringend erforderlich, dem Alternativen entgegenzusetzen und zivile Formen der Konfliktlösung in die Schulen einzubringen. Während die Jugendoffiziere aus einer Sicherheitslogik heraus Konfliktlösungsmöglichkeiten erklären – es geht um Selbstschutz vor „den anderen“, Aufrüstung und notfalls Gewalt –, vermittelt die Friedensbildung, dass Frieden nur miteinander möglich ist. Das erfahren die Schüler*innen durch die Beschäftigung mit Friedensprojekten oder Beispiele von Gleichaltrigen, die sich in Konfliktregionen für ein friedliches Miteinander einsetzen. Nicht zuletzt lernen sie so von ihren Altersgenoss*innen aus dem Globalen Süden, wie sie Konflikte und Vorurteile auch in ihrem eigenen (Schul-)Alltag überwinden können.

Indem sie das aktive Engagement der Schüler*innen für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit und Teilhabe fördert, leistet die Friedensbildung auch einen Beitrag zu globaler Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung. Denn eine gerechte und ökologisch nachhaltige Welt entsteht nur dann, wenn wir die Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander schaffen.

Umgekehrt sind soziale und ökologische Nachhaltigkeit Voraussetzung für eine dauerhaft friedliche Welt. Was hat der Klimawandel mit Konflikten zu tun? Wie tragen Waffenexporte und unser Konsumverhalten zur Entstehung von Fluchtursachen bei? Über diese Zusammenhänge klärt die Friedensbildung auf und vermittelt – in Anlehnung an das Konzept des positiven Friedens – Handlungsoptionen, wie jede*r Einzelne sich für eine zukunftsfähige Welt einsetzen kann. Dabei betrachten die Schüler*innen aktuelle gesellschaftliche Themen – z.B. Flucht und Migration – aus der Friedensperspektive und nehmen auch die eigene Rolle kritisch in den Blick. Zugleich kommen im Sinne der Friedenslogik auch Menschen aus dem Globalen Süden zu Wort, über die sonst häufig nur geredet wird. So erleben die Schüler*innen hautnah, dass echter Frieden nur gemeinsam und unter Berücksichtigung aller Interessen erreicht wird.

Dieser Newsletter stellt Friedensbildungsmaterialien für den Unterricht vor, informiert über Veranstaltungen und bietet anlässlich des Weltfriedenstages am 21. September Hintergründe zum Thema Frieden.

Wir wünschen eine spannende und informative Lektüre!

Christine Lieser und Claudia Osthues
Referent*innen für Friedensläufe und friedenspolitische Bildung beim forumZFD

EWIK-Kooperationspartner