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Oktober-Newsletter zum Thema Flucht / Migration und nachhaltige Entwicklung

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Photo by Julie Ricard on Unsplash

Liebe Leserinnen und Leser,

ob Krieg und Gewalt, Verfolgung und Diskriminierung, Armut und Perspektivlosigkeit, Umweltzerstörung und Klimawandel oder Rohstoffhandel und Landraub – meist sind verschiedene Fluchtursachen miteinander verwoben, wenn Menschen auf der Suche nach Schutz und Teilhabe fliehen. Und fast immer hängen sie mit der zunehmenden globalen Ungleichheit zwischen reich und arm zusammen.

Was also heißt es, wenn heute allseits darüber gesprochen wird, Fluchtursachen zu bekämpfen?

Es ist bemerkenswert, dass nicht die ungerechten Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, die weltweit dominierende Produktionsweise mit ihrem hohen Ausstoß von Treibhausgasen, die Ausplünderung von Rohstoffvorkommen oder die Zerstörung lokaler Märkte als Ursachen angesehen werden, die es zu bekämpfen gilt.
Vielmehr wird das in den Blick genommen, was daraus resultiert: der Zerfall von Staaten, die Verstädterung, gewaltsame Konflikte und menschengemachte Naturkatastrophen.

Ausgeblendet wird dabei die Rolle, die der reiche Norden bei dieser Entwicklung spielt. Entsprechend konzentrieren sich die Überlegungen auf Maßnahmen, die an den eigentlichen Ursachen nichts ändern: auf den Ausbau der Entwicklungshilfe, die Bekämpfung von Schleuserbanden und die Errichtung von Auffanglagern weit vor den europäischen Außengrenzen.

Offenkundig zielt diese Politik nicht auf das Beheben von Fluchtursachen, sondern auf das Ausbremsen von Fluchtbewegungen Richtung Europa. Dabei pochen die Menschen, die sich auf den Weg machen und oft gar nicht nach Europa wollen, nur auf etwas, was in Europa selbstverständlich ist: Freizügigkeit.

Es ist ein Irrweg zu glauben, die privilegierten Gegenden der Welt könnten ihre Grenzen gegenüber Flüchtlingen schließen und ihren Wohlstand dauerhaft auf Kosten anderer realisieren. Wir müssen diese eine Welt statt dessen für alle lebenswert machen, und dazu brauchen wir Alternativen zur herrschenden profit- und wachstumsorientierten Ökonomie, die Durchsetzung internationaler Sozial- und Arbeitsstandards und schließlich Überlegungen, wie öffentliche Daseinsvorsorge über alle Grenzen hinweg ausgeweitet und z.B. über einen Internationalen Fonds für Gesundheit sichergestellt werden kann, wie ihn medico international seit vielen Jahren fordert.

Der globale Norden ist aufgefordert, im Sinne einer nachhaltigen Fluchtursachenbekämpfung bei der Schaffung einer globalen sozialen Infrastruktur, die allen Menschen an allen Orten der Welt Zugang zu Bildung, Gesundheit und anderen essentiellen Gemeingütern sichert, aktiv mitzuwirken.

Für das Recht zu bleiben und für das Recht zu gehen. Hier wie dort.

Einen differenzierten Blick auf globale Wechselwirkungen im Zusammenhang mit Flucht und Migration zu ermöglichen, ist auch Aufgabe einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). In diesem Newsletter sind dazu Unterrichtsmaterialien, Aktionen, Initiativen und Programme, Fortbildungsangebote sowie Hintergrundinformationen zusammengestellt. Weiterhin finden Sie darin aktuelle Meldungen, Veranstaltungstipps und vieles mehr.

Ramona Lenz, Referentin für Flucht und Migration
bei der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international