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Newsletter April 2019: Europa – Wider den populistischen Nationalismus

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Liebe Leserinnen und Leser,

Europa ist geprägt von zunehmender Spaltung und Fragmentierung, von nationalen Egoismen, von politischer Polarisierung und Fremdenfeindlichkeit. In Teilen der Gesellschaften verliert die Integration als Wesenskern des „Friedensprojektes Europa“ offenbar an Attraktivität. Populistische Losungen fallen da auf fruchtbaren Boden.

Der EU droht Zerfall – von vielen befürchtet, von manchen wohl erhofft. Dabei geht es heute angesichts komplexer globaler Herausforderungen doch eigentlich darum, die internationalen Beziehungen friedenspolitisch mit neuem Leben zu füllen, Gemeinschaftlichkeit zu stärken, auszubauen. Diese Möglichkeit nicht wahrzunehmen, wäre leichtfertig. Der Notwendigkeit entsprechend nicht zu handeln, ist fahrlässig. Die Stärkung von Verteidigungsausgaben bei gleichzeitiger Kürzung der Ausgaben für die Friedensförderung ist deshalb gerade jetzt ein fatales Signal.

Erweisen sich Regierungen als unfähig, eine nach innen wie nach außen wirksame inklusive Friedensstrategie zu entwickeln, wächst die Verantwortung der Zivilgesellschaft, diesen Prozess nachdrücklich einzufordern und dazu selbst einen Beitrag zu leisten. Den Zusammenhalt im Innern Europas zu erhalten, ist aber nur eine Seite der Medaille. Mehr als zuvor gilt es „Zusammenhalt“ neu, nämlich ohne Abschottung und global zu definieren. Es könnte ein spannendes Projekt für alle beteiligten Akteure und Netzwerke werden.

Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten sind groß. Europäische Erfahrungen im Umgang mit gewaltsamer Vergangenheit, mit Kriegs- und Hasspropaganda, können helfen, neues Unheil zu verhindern. Die friedenspolitischen Errungenschaften sind die Basis für eine weltweite Konfliktkultur. Es kann gelingen im Dialog, durch die Schaffung von Lernräumen und die Begleitung gemeinsamer Lernprozesse – auf individueller, gesellschaftlicher und internationaler Ebene. Gefragt sind dabei auch Erkenntnisse der „Überlebenspädagogiken“ wie der Friedenspädagogik, Globales Lernen, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Global Citizenship Education.  Viele können zum Gelingen des „Friedensprojektes Europa Global“ beitragen, in Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft.
 
Vor weniger als sieben Jahren wurde die EU mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – für „ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte“. Die eigentliche Bewährungsprobe steht ihr – uns allen – noch bevor.

In diesem Newsletter finden Sie Hinweise auf Bildungsmaterialien, Aktionsaufrufe, Stellungnahmen und Hintergrundinformationen zur Wahl zum Europäischen Parlament vom 23. – 26. Mai 2019 sowie  zum Thema Europa allgemein, weiterhin wie gewohnt auch schwerpunktunäbhängige Meldungen und Veranstaltungshinweise.

Prof. Dr. Dr. Hans J. Gießmann, Geschäftsführer, Berghof Foundation
Prof. Uli Jäger, Programm-Direktor Friedenspädagogik & Globales Lernen,
Berghof Foundation

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