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"Dirty Capitalism": Politische Ökonomie (in) der politischen Bildung

"Dirty Capitalism": Politische Ökonomie (in) der politischen Bildung

Datum: 
12.03.2021 - 13.03.2021
Ort: 
online
Deutschland
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Wie unter einem Brennglas werden in der Corona-Pandemie die weltweiten Abhängigkeiten und Verwerfungen der politisch-ökonomischen Verhältnisse deutlich und lösen, neben der Sorge um die eigene Gesundheit und das Leben anderer, Ängste aus, die nicht selten in Verschwörungsideologien münden. Wirtschaftspolitische Grundüberzeugungen – möglichst wenig Staat, der Markt wird es schon richten – wurden über Bord geworfen, milliardenschwere staatliche Hilfsprogramme erlassen, auch auf Kosten von Neuverschuldung: Die „schwarze Null“ ist nicht mehr das Nonplusultra neoliberaler Politik.

Ausmaß und Dauer dieser historisch nicht neuen Weichenstellung sind noch nicht absehbar. Dass sie nicht ausreichend sein wird, um den zu erwartenden globalen wirtschaftlichen und sozialen Erschütterungen zu begegnen, aber vielleicht schon. Die Konkurrenz um Impfstoffdosen weisen jetzt bereits darauf hin, dass sich die weltweiten ökonomischen Macht- und Ungleichheitsverhältnisse eher verstärken werden.

Corona wirft die politische Bildung zurück auf grundsätzliche Fragen, die am Anfang jeder Didaktisierung stehen sollten: Wie ist das Verhältnis von Politik und Wirtschaft, von Staat und Gesellschaft, von Demokratie und Kapitalismus? Vor dem Hintergrund dieser Fragen stehen die Auseinandersetzung mit theoretischen und ideologischen Paradigmen sozioökonomischer Bildung sowie die kritische Analyse und Diskussion vorhandener Bildungsmaterialien im Zentrum der Tagung.

Die Stärkung „ökonomischer Bildung“ ist seit langem eine Aktivität unternehmensnaher Stiftungen und Verbände, z.B. dem Institut der deutschen Wirtschaft oder dem Bankenverband. Sie stellen kostenlose Bildungsmaterialien – meist Hochglanzbroschüren – zur Verfügung, laden Lehrende und ganze Schulklassen zu Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen ein und haben so einen unmittelbaren Zugriff auf politische Bildung und Unterricht. Das lobbyistische Interesse dieser Aktivitäten ist inzwischen durch mehrere Studien offengelegt (Engartner 2019, Hirsch 2019), in den Materialien dominieren neoliberale Prinzipien, Entrepreneurship Education und das Wachstumsparadigma.

Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, bestimmt die Art und Weise, wie unsere (lebensnotwendigen) Güter produziert, distribuiert und konsumiert werden. In die Bilanzierung fließen allerdings die Kosten von Umweltzerstörung und Klimawandel, der Raubbau an Wasser, Boden und Luft nicht ein. Bildungsmaterialien aus dem Bereich kritischer politischer Bildung thematisieren diese Leerstelle und stellen damit auch ein Wissen zur Verfügung, das helfen kann, die Ursachen der Corona-Pandemie, die politisch-gesellschaftlichen Reaktionen und ökonomischen Folgen besser zu verstehen.

Anliegen der Tagung ist es, politische Ökonomie als einen Zusammenhang von politischen Entscheidungen, politischen Herrschafts- und Kräfteverhältnissen, von kapitalistischer Produktions- und imperialer Lebensweise und den Diskurs darüber er- und befragbar zu machen und in notwendig neue Fragen- und Wissenskontexte für schulische und außerschulische politische Bildung zu überführen.

Die Teilnehmendenzahl ist beschränkt, um Anmeldung bis zum 15. Januar 2021 wird gebeten.

Eine Veranstaltung des Forums kritische politische Bildung in Kooperation mit Attac und der Professur Didaktik der Sozialwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen.