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Zum ersten Welttag der Bildung am 24. Januar: UNESCO fordert mehr qualifizierte Lehrkräfte in Deutschland und Investition in Chancengerechtigkeit

Zum ersten Welttag der Bildung am 24. Januar: UNESCO fordert mehr qualifizierte Lehrkräfte in Deutschland und Investition in Chancengerechtigkeit

25.01.2019
Quelle: 
Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
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Die Chancengerechtigkeit der Bildungssysteme muss weltweit verbessert werden. Das fordert die UNESCO anlässlich des erstmals ausgerichteten Welttags der Bildung am 24. Januar. 262 Millionen Kinder und Jugendliche haben noch immer keinen Zugang zur Schule. 617 Millionen können nicht lesen und rechnen. Auch in Deutschland gibt es Verbesserungsbedarf: Chancenungleichheiten sowie Gewinnung und Qualifikation von Bildungspersonal sind zwei der zentralen Herausforderungen.

Bildungsstand des Elternhauses noch immer ausschlaggebend für Bildungserfolg
„Die Bildungsbeteiligung in Deutschland steigt. Immer mehr Kinder erhalten immer früher einen Zugang zu Bildung. Auch beobachten wir einen Trend zur Höherqualifizierung. Hier sind wir auf dem richtigen Weg“, betont Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission.
„Doch bei der Chancengerechtigkeit in der Bildung müssen wir besser werden. Der Bildungsstand des Elternhauses ist noch immer ausschlaggebend für das Erreichen der Hochschulreife. Wir müssen intensiv daran arbeiten, dass die vorhandenen Bildungsmöglichkeiten auch bildungsferneren Familien und Migrantinnen und Migranten vermehrt zugutekommen. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Ziel 4 der Globalen Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen“, so Böhmer weiter.
Lehrkräfte sind Schlüssel zu hochwertiger und chancengerechter Bildung

Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2019 zeigt, dass Lehrkräfte und das pädagogische Personal ein Schlüssel zu hochwertiger und chancengerechter Bildung sind. In Deutschland gibt es dabei zunehmend Nachholbedarf. Allein durch das rentenbedingte Ausscheiden von Lehrkräften entsteht laut Nationalem Bildungsbericht 2018 bis zum Schuljahr 2030 ein Bedarf von 6.800 zusätzlichen Lehrkräften jährlich. Rechnet man die wachsenden Schülerzahlen ein, steigt der Bedarf bis 2020 um zusätzlich mehr als 1.300 und bis 2025 um jährlich fast 3.800 Lehrkräfte für den Primarbereich.

„Schon heute fehlen uns gut ausgebildete Lehrkräfte und der Mangel nimmt jedes Jahr zu. Wir müssen dringend in die Ausbildung neuer Fachkräfte investieren, die nicht kurzfristig gewonnen werden können. Doch auch die Fort- und Weiterbildung des bestehenden Bildungspersonals müssen wir in den Blick nehmen, denn die wachsende Vielfalt in Klassenzimmern verlangt neue Kompetenzen“, so Böhmer. „Vielerorts leisten Lehrerinnen und Lehrer jeden Tag hervorragende Arbeit. Wir müssen sie dabei noch viel stärker unterstützen und Angebote für den Erwerb interkultureller Kompetenzen und den Umgang mit Vielfalt fest in der Lehrerbildung verankern.“

Globale Bildungsagenda bis 2030 in Deutschland umsetzen
Mit der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda hat die Weltgemeinschaft sich verpflichtet, bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherzustellen. Das gilt auch für Deutschland. Die UNESCO koordiniert die Umsetzung dieses Ziels. Wie eine hochwertige und chancengerechte Bildung gelingen kann, zeigen viele gute Beispiele in Deutschland:

  • In der UNESCO-Projektschule Gemeinschaftsschule am Heimgarten in Ahrensburg ist Vielfalt eine Ressource
    Die Gemeinschaftsschule am Heimgarten in Ahrensburg bei Hamburg ist seit 1994 UNESCO-Projektschule. Demokratie, Toleranz, respektvolles Miteinander – diese Werte lebt die UNESCO-Projektschule. Gemeinsames Lernen und gute Bildung für alle sind hier eine Selbstverständlichkeit. „Wir waren schon immer eine Schule der Vielfalt, das ist auch unser Motto: Wir sind eine Schule für alle“, erklärt Schulleiter Thomas Gehrke.
     
  • Das Naturgut Ophoven in Leverkusen zeigt, wie hochwertige Bildung außerhalb des Schulsystems gelingt
    Ein Erlebnispark, ein Kinder- und Jugendmuseum, Solarkunst, Ferienerlebnisse und Veranstaltungen für Geflüchtete und Einheimische – das NaturGut Ophoven in Leverkusen ist seit 1984 ein Ort für außerschulisches Lernen, Forschen und Entdecken. „Am Anfang ging es uns konkret um Umweltschutz, sauberes Wasser und Mülltrennung“, erklärt Dr. Hans-Martin Kochanek, Mitgründer und Leiter des NaturGut Ophoven. „Heute sind wir ein Kompetenzzentrum für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Wir wollen den Menschen helfen, Kompetenzen zu erlangen, wie sie ihre Zukunft nachhaltig gestalten können.“
     
  • Im Geschwister-Scholl-Gymnasium Pulheim ist Inklusion Realität
    Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Pulheim führte das inklusive Lernen im Schuljahr 2013 / 2014. Aktuell haben von den 1.500 Schülerinnen und Schülern etwa 240 einen Migrationshintergrund. 35 Kinder haben unterschiedliche sonderpädagogische Unterstützungsbedarfe. Ziel der Schule ist es, „dass alle Kinder, egal, wo sie geboren wurden und was sie können, eine gemeinsame Chance haben, das Bestmögliche aus sich herauszuholen“, erklärt Jessica Brol, Klassenlehrerin an der Schule.
     
  • Open Educational Resources sind eine Chance für hochwertige Bildung
    „Open Educational Resources können aufgrund ihrer offenen Lizenz übersetzt, lokalisiert und mit anderen Materialien kombiniert werden“, erklärt Jan Neumann, Mitglied des DUK-Fachauschusses Bildung.  Das zeigt beispielsweise die Global Digital Library, die darauf abzielt, Materialien für Leseanfänger in möglichst viele Sprachen der Welt zu übersetzen. „So kann der Zugang zu hochwertiger Bildung für viele Menschen erleichtert werden“, so Neumann.
     
  • Mit dem Freiwilligendienst kulturweit die Welt und sich selbst entdecken
    „Einfach mal Zeit haben, Erfahrungen zu machen“, das hat Katharina Leinius von ihrem Freiwilligendienst kulturweit erwartet. Ihr Wunsch wurde erfüllt. Im Pageflow-Beitrag erklärt Leinius anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Programms, wie ihr kulturweit-Einsatz im rumänischen Bukarest ihren Bildungsweg bereichert und ihre Berufswahl beeinflusst hat. 

Hintergrund
Das Bildungsziel der Globalen Nachhaltigkeitsagenda lautet: „Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern“. Die UNESCO koordiniert die Umsetzung dieses Ziels und ist für das Monitoring verantwortlich. Jährlich gibt sie einen Weltbildungsbericht heraus.