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Wirtschaftliche Auswirkungen der COVID-19-Krise treffen Beschäftigte in Produktionsländern fatal

Wirtschaftliche Auswirkungen der COVID-19-Krise treffen Beschäftigte in Produktionsländern fatal

03.04.2020
Quelle: 
SÜDWIND e.V.
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Die COVID-19-Krise trifft alle Akteure der textilen Lieferkette. Allerdings trifft sie die Schwächsten besonders hart. Modemarken und Einzelhandelsunternehmen müssen durch den Stillstand des öffentlichen Lebens hierzulande eklatante Umsatzeinbußen hinnehmen. Der wirtschaftliche Druck wird aber weitergegeben: Aufträge an Zuliefererfirmen in Bangladesch oder Kambodscha werden storniert und bereits fertiggestellte Ware nicht mehr abgenommen oder bezahlt. Die Zulieferer entlassen deshalb die ohnehin schlecht bezahlten Arbeiter*innen oder schließen vollständig. Für Arbeiter*innen verbindet sich dann das vor Ort wachsende Risiko einer COVID-19-Infektion bei schlechter Gesundheitsversorgung mit extremer wirtschaftlicher Not durch fehlenden Lohn.

Unmittelbare Unterstützung dringend erforderlich
„Jetzt ist die Zeit, wo sich das Bündnis für nachhaltige Textilien bewähren muss. Es muss auf eine solche Situation mit einer solidarischen Haltung gegenüber den Zulieferern und deren Beschäftigten reagieren,“ fordert Gisela Burckhardt von FEMNET. „Die Beschäftigten in den Produktionsländern brauchen jetzt Unterstützung durch einen staatlich gestützten Hilfsfonds, zu dessen Umsetzung die Bündnismitglieder je nach Möglichkeit beitragen sollten. Unternehmen können dabei in vielfältiger Weise Verantwortung übernehmen. Der Erhalt der Lieferkette liegt zudem in ihrem eigenen Interesse.“

„Unternehmensverantwortung für die Lieferkette pausiert nicht in Krisenzeiten,“ betont Sabine Ferenschild vom SÜDWIND-Institut. „Unternehmen, die ihren Zulieferern zusagen, bereits fertiggestellte Ware abzunehmen und Kosten für bereits begonnene Aufträge mit zu zahlen, übernehmen Verantwortung. Ein kooperativer Umgang mit Zulieferern hilft den Geschäftspartner*innen, über die Krise zu kommen und kann dazu beitragen, Lohnausfälle für Beschäftigte zu vermeiden. Für Unternehmen sollte dies entsprechend der Empfehlungen des Textilbündnisses jetzt handlungsleitend sein.“

Mittel- und langfristige Maßnahmen ergreifen, um zukünftige Krisen zu vermeiden
„Es muss auch darum gehen, die derzeitigen katastrophalen Auswirkungen zukünftig zu vermeiden,“ mahnt Berndt Hinzmann vom INKOTA-Netzwerk. „Nie war deutlicher, dass die niedrigen Löhne die Arbeiter*innen im Krisenfall unmittelbar in existenzielle Krisen stürzen. Für Beschäftigte in den Produktionsländern sind existenzsichernde Löhne ebenso nötig wie soziale Sicherungssysteme. Dazu gehören faire Einkaufspraktiken. Dies alles erfordert gemeinschaftliches Engagement. Das Textilbündnis als international vernetzte Partnerschaft aus Bundesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften, Standardorganisationen und Zivilgesellschaft sollte diese Aufgabe jetzt in Angriff nehmen. Das Motto in dieser Krise kann nicht sein: Jeder ist sich selbst der Nächste.“

Diese Pressemitteilung wurde von den zivilgesellschaftlichen Organisationen im Steuerungskreis verfasst und repräsentiert nicht zwangsläufig die Meinung aller zivilgesellschaftlichen Mitglieder. Das Textilbündnis hat 19 zivilgesellschaftliche Mitgliedsorganisationen, die von FEMNET, INKOTA-netzwerk und dem SÜDWIND Institut im Steuerungskreis vertreten werden.