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Übers Internet lernen: Saarland bekommt „Globales Klassenzimmer“

Übers Internet lernen: Saarland bekommt „Globales Klassenzimmer“

10.09.2018
Quelle: 
Saarbrücker Zeitung
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In Kürze gehen Schüler im Haus der Umwelt auf Weltreise. Digital zumindest. In Live-Video-Gesprächen mit entfernten Schülern können sie auch Vorurteile ablegen. Im ersten „Globalen Klassenzimmer“ im Saarland geht es nicht um Hausaufgaben, Noten oder Zeugnisse. Mit Leinwand und Beamer sollen in dem kleinen Raum in der Saarbrücker Innenstadt per Video-Chat geografische Grenzen überwunden, Wissen vermittelt und über Vorurteile aufgeklärt werden.

In diesem Klassenzimmer im Saarland können Schüler ab der 5. Klasse, Studierende und Jugendgruppen in Live-Video-Gesprächen mit Experten beispielsweise in Kolumbien, Argentinien oder Peru über internationale Themen wie Regenwald, Klimawandel oder Migration diskutieren. Oder mit Gleichaltrigen aus dem Senegal, Indonesien oder auch Mexiko über ihr Leben sprechen, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, „um so vielleicht auch mit Vorurteilen aufzuräumen“, erklärt Regionalkoordinator des „Chat der Welten“ im Saarland, Johannes Weller. Es sei überraschend, welche Vorurteile Kinder bereits in jungen Jahren hätten, erzählt der 30-Jährige aus Saarbrücken. So glaubten einige saarländische Schüler während eines Projekttages in ihrer Schule, dass Mexikaner den Tag größtenteils schlafend neben Kakteen in der Sonne mit einem Sombrero auf dem Kopf und einer Waffe an der Hüfte verbringen. Die Kinder der mexikanischen Schule waren davon überzeugt, dass Deutschland nur aus Autofabriken und Straßen ohne Bäume bestehe, erzählt Weller. „In einem Video-Gespräch erkennen Schüler dann, dass diese Stereotypen nicht immer der Wahrheit entsprechen und dass sie trotz Distanz und unterschiedlicher Sprache und Kultur viele Gemeinsamkeiten haben.“

Das „Globale Klassenzimmer“ ist ein Projekt von „Chat der Welten“, einem Programm der Entwicklungsinitiative Engagement Global in Zusammenarbeit mit dem Verein Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland (NES). Am 12. September öffnet die digitale Tür zur Welt im Haus der Umwelt in Saarbrücken. Ihr Ziel: Dass die jüngere Generation beginnt, sich als Weltbürger zu verstehen, sagt Weller. „Viele Schüler wissen beispielsweise nicht, dass einige Themen über die regelmäßig berichtet wird, wie der Klimawandel globale Probleme sind. In unserem Klassenzimmer lernen sie, dass wir nicht alleine dastehen, sondern dass auch andere Länder damit zu kämpfen haben.“

Seit ungefähr drei Monaten entsteht das „Globale Klassenzimmer“. Jedoch soll hier nicht wie an Schulen typisch Frontalunterricht stattfinden, sondern Gruppenarbeit. Die Themenpalette eines Projekttages im „Globalen Klassenzimmer“ erstreckt sich von Flucht und Migration, über Klimawandel und Kinderrechte bis hin zu Tierschutz und Landeskunde. Auch weitere globale Themen sind nach Absprache mit dem NES-Team möglich. Ein Austauschprojekt dauert mindestens zwei Stunden, kann sich aber auch über mehrere Tage erstrecken.

In der Regel beginnt der Unterricht im „Globalen Klassenzimmer“ mit einer Fantasiereise. Dabei schließen die Schüler die Augen, versetzen sich anhand von Beschreibungen des Projektleiters in das jeweilige Land, seine Kultur und Gesellschaft und malen anschließend ein Bild, wie sie sich die Hauptstadt oder die Landschaft dort vorstellen. Das Highlight jedes Projektes sei dann der Live-Chat. Denn viele Schüler könnten es bis zum Schluss kaum glauben, dass sie nun mit Menschen auf der anderen Seite der Welt reden. „Da einige Schüler zurückhaltend und schüchtern sind, erarbeiten wir mit ihnen Fragen, die sie stellen können, damit sie während des Gesprächs keine Angst haben“, erklärt Weller. Die Sprache sei dabei kein Problem. Denn einige der Kontaktpersonen sprechen Deutsch. Auch mehrsprachige Video-Chats in Englisch, Französisch und Spanisch seien möglich. „Sobald die Schüler von verschiedenen Kontinenten über den Video-Chat in Kontakt treten, herrscht sofort eine vertraute Atmosphäre. Es gibt keine Mauern und keine Vorurteile mehr“, sagt Weller. Und oftmals bliebe es nicht bei diesem einen Kontakt: „In einigen Fällen sind daraus globale Freundschaften entstanden.“

Ein Thema, das dem 30-Jährigen am Herzen liegt: der Klimawandel. Und die unterschiedlichen Sichtweisen, die in Ländern darüber herrschen, sagt Weller. „Menschen in Myanmar glauben, dass die USA und Europa allein an den steigenden Temperaturen schuld sind.“ Im Senegal suchen die Menschen dagegen keinen Schuldigen, sie versuchten einfach damit klarzukommen, sagt Weller. „Diese Ansichten und Vorstellungen lernen wir jedoch nur kennen und verstehen, wenn die Welt miteinander in Kontakt tritt, auch die Jüngsten.“

Weitere Informationen, Projektanfragen und Buchungen unter Tel.: (06 81) 938 52 35 oder E-Mail: johannes.weller@nes-web.de.