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EWIK-Newsletter Mai 2017: Flucht, Migration und Integration

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Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag – Plädoyer für das Thema Flucht im Klassenzimmer

Liebe Leserinnen und Leser,

„Schlechteste Bibi und Tina Film Überhaupt! […] und dann auch noch ab 6 Jahren... Flüchtlingsthema und Politik hat garnichts mit Kinder zu tun.“ [sic] So bewertete ein Besucher auf moviepilot.de den Film „Tohuwabohu total“,  vierter Teil der Bibi-&-Tina-Reihe von Regisseur Detlev Buck. Sein Thema: Deutschland und die Flüchtlinge.

Der Film hat wenig Lob und viel Schelte bekommen. Häufigste Vorwürfe: Er überfordere Kinder. Und: Das Thema Flucht sei zu kompliziert, um es mit „Hex Hex“ aus der Welt zu schaffen.

Ich bin anderer Meinung. Meine Kinder (11 und 7) auch. „Tohowabohu total“ führt die Widersprüche des Themas zusammen. Ohne naiv zu sein stellt Buck den skeptischen Erwachsenen einen jugendlichen Idealismus entgegen, den Wunsch, Brücken zu bauen. Und er legt einen Fokus auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, auf deren Recht auf Bildung und das Recht, ihr Leben selbst gestalten zu dürfen.

Das Thema Flucht ist kindertauglich. Das muss es auch sein. Flucht ist schließlich Realität im Schulalltag. In Bayern kamen unlängst sogar Polizisten in die Schule, um junge Afghanen abzuschieben. Kinder und Jugendliche haben ein Recht, zu erfahren, woher ihre neuen Mitschüler kommen und was an den Rändern der EU passiert. Und sie sollten die Ursachen kennen. Kriege, Gewalt, Unterdrückung. Aber auch bittere Armut und Perspektivlosigkeit. Spätestens hier offenbart sich der Sinn Globalen Lernens:

Dem Soziologen Stephan Lessenich zufolge wissen 90 von 100 Menschen in Deutschland, dass wir auf Kosten anderer leben. „Die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge sind ja nur Menschen, die genug von schreiender Ungleichheit haben“, sagte er im Jetzt-Magazin der Süddeutschen (Nr 2/17). Das ist keine revolutionäre These mehr, sondern Erkenntnis. Aber was leiten wir daraus ab? Und beziehen wir das in unser Handeln ein?

Schulen sind Orte für den Umgang mit komplexen, widersprüchlichen Themen. Hier können Kinder und Jugendliche lernen, damit umzugehen. Schule bereitet auf das Leben in unserer Gesellschaft vor. Und Flüchtlinge sind ein Teil davon. Keiner sagt, dass es einfach wird, heißt es am Ende bei Bibi und Tina. „Aber mit Musik können wir es schaffen.“

Dieser Newsletter liefert das Material dafür. Die Beiträge stammen von Kolleginnen und Kollegen, die sich intensiv mit Thematik und Vermittlungsmöglichkeiten befasst haben. Ich möchte wetten, dass Kinder und Jugendliche unbefangener damit umgehen, als viele Eltern es befürchten. Viel Erfolg!

Benedict Steilmann
Leiter der Abteilung Bildung und Öffentlichkeitsarbeit bei Don Bosco Mission Bonn, EWIK-Mitglied