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zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Postwachstum / Degrowth: unser Thema im Fokus und im Newsletter

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Liebe Leserinnen und Leser,

wir als Bildungsakteure und Lehrer/-innen sollen – und wollen – es richten: Das große Werkstück einer sozial-ökologische Transformation. Das sagt uns nicht zuletzt die UNESCO und die muss es wissen. In deren aktueller Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ steht: BNE ist eine „Transformative Bildung“ und ihr „Ziel/Zweck ist eine Transformation der Gesellschaft (Roadmap S. 12). Das merken wir aber auch selbst, in den Momenten, in denen es im Klassenzimmer, im Seminarraum „knistert“, wenn wir das Gefühl haben, hier bewegt sich gerade wirklich etwas.

Gleichzeitig kann der eigene und äußere Anspruch, den vielfältigen und drängenden sozial-ökologischen Krisen mit unserer Bildungsarbeit etwas entgegenzustellen auch ziemlich erschlagend wirken. Besonders die berüchtigte „Lücke“ zwischen Wissen und Handeln, zwischen all dem was wir zu „vermitteln“ versuchen und dem, was dabei an tatsächlicher Veränderung in unserer Gesellschaft herauskommt, bereitet vielen Bauchschmerzen und Kopfzerbrechen.

Mit dieser Lücke lohnt es, sich näher zu beschäftigen. Eine Erklärung zu dieser Kluft wird manchmal beschrieben als „Closing Circle“. Oder anders ausgedrückt: Die Katze beißt sich in den Schwanz. Damit gemeint ist ein Dilemma, das sicher viele von uns kennen: Eigentlich wollen wir mit unserer Bildungsarbeit viel grundsätzlichere Fragen stellen und wirklich an die Wurzel gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verhältnisse gehen. Dort werden aber die Zusammenhänge komplex und die Lösungsbausteine liegen oft jenseits unseres Erfahrungshorizonts. Ergo, in 90 Minuten kaum umzusetzen.

Einen möglichen Ausweg aus einem solchen Dilemma thematisiert dieser Newsletter mit seinem Schwerpunkt zu Postwachstum. Dieser inhaltliche Zugang ermöglicht es uns, komplexe Fragen zu stellen, auf die wir Antworten suchen müssen, wollen wir wirklich transformative Lösungen finden: Wie hängt eigentlich unsere Wirtschafts- und Lebensweise mit den globalen Krisen zusammen? Warum können wir nicht unendlich wachsen und woher kommt es, dass wir das aber scheinbar wollen?

Hinter den verschiedenen Strömungen von Postwachstum und Degrowth steht einerseits der Wunsch und der Mut, sich solchen Fragen zu stellen und eigene Prägungen und Handlungen ebenso wie gesellschaftliche Machtverhältnisse auf den Prüfstein zu stellen. Andererseits ist es eine kraftvolle gemeinsame Suche nach Lösungen, wie wir als Weltgesellschaft individuell und kollektiv so leben können, dass ein Gutes Leben für alle möglich ist. Damit kann auch Bildung im Kontext von Degrowth eher auf Empowerment abzielen, in dessen Anschluss Menschen sich selbstbestimmt anders zu verhalten beginnen als auf moralische Handlungsappelle vor dem Hintergrund rein kognitiver Wissensvermittlung.

Das Gemeine, aber auch das Tolle an einer solchen Bildung ist, dass es dafür keine Patentlösung gibt und auch nicht geben kann. Gemein, weil es so viel einfacher wäre. Toll, weil wir die Möglichkeit haben mitzugestalten. In diesem Newsletter sind viele mutige und ermutigende Bildungsangebote und Materialien zusammengetragen, die Sie und Ihre Zielgruppen beim Mitgestalten inspirieren und unterstützen können. Wir wünschen eine ansteckende Lektüre.

Nadine Kaufmann
Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V.    
EWIK-Mitglied