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Schöne neue Worte
04.06.12
Quelle: Cola, Reis & Heuschrecken. Welternährung im 21. Jahrhundert. (Edition Le Monde diplomatique 10/2011)
© iStockphoto.com/Alida VanniBildende
Von Benoît Lallau.
Drei Jahre nach der Ernährungskrise von 2008 herrschte wieder Hunger am Horn von Afrika. Zu den Ursachen dieser Geißel gehört unter anderem der großflächige Ankauf von Ackerland, um Nahrungs- oder Energiepflanzen anzubauen. 2009 sollen auf diese Weise 45 Millionen Hektar den Besitzer gewechselt haben, etwa zehnmal so viel wie der Durchschnitt in den vorangegangenen Jahren.¹ Da Unternehmen wie Staaten ungern ihre Daten preisgeben, lässt sich allerdings schwer sagen, wie viele von den Investitionsvorhaben bisher nur angedacht, bereits entschieden oder schon in die Wege geleitet worden sind. Selbst die Weltbank erklärt, sie habe größte Schwierigkeiten, an verlässliche Informationen zu gelangen, sodass sie sich für ihren Bericht vom September 2010² auf die alarmierenden Zahlen der Nichtregierungsorganisation (NGO) Grain³ stützen musste.
Grundsätzlich decken sich großflächige Landkäufe mit den Ansichten, die die Weltbank noch unmittelbar nach der Krise von 2008 vertreten hatte⁴: dass nämlich Kapitalzuflüsse von außen und insbesondere private Investitionen die Entwicklung eines Landes mit schwacher Sparquote förderten und zum Kampf gegen die Armut beitrügen. Eine tragende Rolle bei der Förderung solcher Geschäfte spielt demzufolge auch die International Finance Corporation (IFC) der Weltbank.
Die Befunde über die Entwicklung auf dem Bodenmarkt haben die Weltbank allerdings in Verlegenheit gebracht. Ihr jüngster Bericht bestätigt, was NGOs schon lange kritisieren: Zum Beispiel ist es ein Irrglaube, der großflächige Ankauf von Boden würde für eine rationellere und damit produktivere Ausbeutung bisher unzureichend genutzter Ackerflächen sorgen. Auch ist die Annahme falsch, dass man nur moderne Agrartechniken wie Kunstdünger, Maschinen und Bewässerungsanlagen einsetzen sowie Monokulturen und durch Zucht oder besser noch mithilfe von Gentechnik gewonnene ertragreiche Sorten anpflanzen müsse. Dabei ist bekannt, dass Agrarökosysteme, die häufig nur dank nachhaltiger Anbau- und Weidepraktiken fruchtbar bleiben, durch eine undifferenzierte Anwendung solcher Techniken aus dem Gleichgewicht gebracht werden.
Die NGOs verweisen zudem auf die negativen sozialen Auswirkungen solcher Maßnahmen, für die sich der Begriff "land grabbing" eingebürgert hat. Ein solcher Landraub kann auf drei unterschiedliche Arten stattfinden: Entweder behaupten die vom Staat unterstützten Investoren, die Flächen würden von der Bevölkerung nicht optimal genutzt oder seien für die Landwirtschaft nutzlos geworden (außer für die Wunderpflanze Jatropha, die angeblich die Wüste wieder zum Blühen bringt und vor allem deshalb interessant ist, weil sie ein besonders effektives, technisch nutzbares Pflanzenöl produziert); oder sie profitieren von unklaren Besitzverhältnissen und eignen sich mit Unterstützung der örtlichen Behörden Ländereien an, die vorher qua ungeschriebenem Gewohnheitsrecht bebaut wurden; oder sie bemühen die alte Formel von den notwendigen Erfordernissen der Entwicklung, bei deren Durchsetzung der Einsatz von Zwang legitim sei. (...)
1) Vgl. Joan Baxter, "Wie Gold, nur besser.", in diesem Heft.
2) Weltbank, "Rising Global Interest in Farmland. Can it Yield Sustainable and Equitable Benefits?", Washington, September 2010.
3) www.grain.org und www.farmlandgrab.org.
4) Weltbank, "World Development Report: Agriculture for Development", Washington, September 2008.
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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Le Monde diplomatique. Für die Vollversion nutzen Sie bitte unseren PDF-Download.
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