Im Fokus: Globale Finanz- und Wirtschaftskrise
Während die Verantwortung für die Finanz- und Wirtschaftskrise bei den Industrieländern liegt, leiden vor allem die armen Länder unter den Folgen. Die Krise hat schon jetzt die Entwicklungs- und Schwellenländer mit voller Wucht erfasst. Nach einer Prognose der Weltbank klafft in den Entwicklungsländern infolge der globalen Wirtschaftskrise eine Finanzierungslücke von 700 Milliarden US-Dollar. Sie könnte bis 2015 zum Tod von zusätzlich 1,5 bis 2,8 Millionen Kindern führen und 100 Millionen weitere Menschen in extreme Armut stoßen. Ohne ein gemeinsames Vorgehen der Staatengemeinschaft werden Arbeitslosigkeit, Hunger und Armut in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen.
Im Fokus "Globale Finanz- und Wirtschaftskrise" möchten wir Sie auf verschiedenste Publikationen zum Thema hinweisen: vorgestellt werden relevante Studien, Berichte und Dokumentationen, die sich mit den Folgen der Krise für die Länder des Südens auseinandersetzen. Neben diesen Hintergrundinformationen bieten wir Ihnen zusätzlich eine Auswahl an themenrelevanten Bildungsmaterialien und informativen Webbeiträgen.
Die globale Entwicklungskrise. Auswirkungen - Reaktionen - Konsequenzen
Während in den meisten Industrieländern die Zeichen auf Aufschwung stehen, hat die globale Wirtschafts- und Finanzkrise viele Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zeitlich verzögert, dafür aber mit voller Wucht erfasst. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen sind für die Menschen in diesen Ländern dramatisch. Das Global Policy Forum Europe hat in Kooperation mit terre des hommes dazu einen Report verfasst, der einen umfassenden Überblick über die direkten und indirekten Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise in den Entwicklungsländern liefert und beschreibt, wie die Regierungen im Rahmen von G20 und Vereinten Nationen auf die Krise reagiert haben. Vor diesem Hintergrund leitet der Report Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die wirtschafts- und entwicklungspolitische Agenda der kommenden Jahre ab.
Steuer gegen Armut
Die Kampagne "Steuer gegen Armut" fordert eine geringe Besteuerung auf alle Finanzmarktprodukte, die von Banken, Brokern und Investoren gehandelt werden. Mehr als 50.000 Bürgerinnen und Bürger haben in kürzester Zeit die Petition zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer unterstützt.
G20-Gipfel in Pittsburgh mit vagen Ergebnissen
Vom 24. bis 25. September 2009 fand im US-amerikanischen Pittsburgh der G20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer statt. Eine strengere Kontrolle des Finanzsektors und die Aufwertung der G20 zum "obersten Forum für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit" sind die wesentlichen Ergebnisse des Gipfels in Pittsburgh. Konkrete Maßnahmen zur Entwicklungshilfe und zum Klimawandel wurden hingegen nur vage formuliert. Viele Nichtregierungsorganisationen beurteilen die Ergebnisse des G20-Gipfels insgesamt als ernüchternd, das globalisierungskritische Netzwerk attac hat den G20-Gipfel für gescheitert erklärt.
Social Watch Report 2009 – People First
Im Vorfeld des G20-Gipfels stellte das Social Watch Netzwerk in Pittsburgh seinen "Social Watch Report 2009 – People First" vor. Der Bericht bietet detaillierte Studien zu den sozialen Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Beispiele von zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 61 Ländern zeigen die Folgen von Arbeitsplatzverlusten und sinkendem Lebensstandard in armen Ländern, insbesondere in den Least Developed Countries (LDC). Der Bericht kritisiert dabei die institutionellen Rahmenbedingungen des IWF und der Weltbank, welche den Einfluss der Entwicklungsländer marginalisieren und die nötige Transparenz verhindern würden. Hingegen lobt der Report die Ergebnisse der ersten UN-Konferenz 2009 in New York, da diese den Menschen in den Mittelpunkt rückten. Nun sei es an der Zeit, die auf der Konferenz getroffenen Vereinbarungen in die Praxis umzusetzen. Darüber hinaus bietet der Bericht auch konkrete politische Ansätze wie man der Krise gerecht und effektiv entgegentritt. So heißt es u.a., dass sozial nachhaltige Investitionen der Schlüssel zu einer gerechten und effektiven Lösung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind.
Utopia unterstützt mit der neuen Kreditkarte "Plant-for-the-Planet"
Die Utopia AG hat in Zusammenarbeit mit der GLS Bank, der ersten sozial-ökologischen Bank in Deutschland, die Utopia-Kreditkarte ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich zunächst um eine gewöhnliche Kreditkarte, die sich in ihren Funktionen nicht von den "üblichen" Kreditkarten unterscheidet. Besonders macht sie jedoch, dass 30% der Kreditkartenerlöse an die Aktion "Plant for the Planet" gehen, die weltweit Bäume für ein besseres Klima anpflanzt. Mit jedem Einkauf kann also zum Schutz des Waldes beigetragen werden. Ob in Verbindung mit dem GLS "Utopistenkonto" oder als Zweitkarte ohne Kontowechsel - mit der Utopia-Kreditkarte kann an 18.000 Geldautomaten in Deutschland kostenlos Bargeld abgehoben werden.
Zeitschrift "Global Lernen": Schwerpunktthema Finanzkrise
Die Finanzkrise ist Schwerpunktthema der Ausgabe 1/2009 der Zeitschrift "Global Lernen". In dem Heft werden die Dimensionen und Ursachen der Krise beleuchtet und an anschaulichen Beispielen erläutert sowie neue Publikationen zum Thema vorgestellt. Die Zeitschrift "Global Lernen" ist für Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufen konzipiert und erscheint drei mal pro Jahr. Sie bietet zum jeweiligen Schwerpunktthema direkt im Unterricht einsetzbare Arbeitsblätter sowie Hintergrundinformationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie wird von der Schulprojektstelle Globales Lernen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Pädagogik und Brot für die Welt entwickelt. Die bisher erschienenen Ausgaben von "Global Lernen" stehen zum Download zur Verfügung und können kostenlos bestellt werden.
Fair handeln mit Geld
Fairer Handel sind die zwei Leitwörter, an die Oikocredit mit seiner Aktion "Fair handeln mit Geld" anknüpft. Nach wirtschaftlichen Maßstäben ist der Faire Handel immer noch klein, doch diese Kampagne soll dazu beitragen, dass die große Unterstützung des ehrlichen Handelns und Kreditwesens auf Konsumenten- und Investorenseite noch weiter wächst.
Oxfam-Umfrage: 70 Prozent der Deutschen sind trotz Finanzkrise für Entwicklungshilfe
Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise sprechen sich 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland für die finanzielle Unterstützung armer Länder aus. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Hilfsorganisation Oxfam hervor. Demnach ist es 39 Prozent der Befragten wichtig, das derzeitige Niveau der Entwicklungshilfe beizubehalten. 31 Prozent stimmen sogar für eine Erhöhung der Ausgaben für arme Länder. Anlässlich der Treffen der G8-Finanz- und Entwicklungsminister in Lecce und Rom fordert Oxfam, die Ausgaben für Entwicklungshilfe deutlich anzuheben. Die Meinungsumfrage wurde im Auftrag von Oxfam in Deutschland, Italien, Kanada, Großbritannien und Frankreich durchgeführt. Insgesamt wurden in den fünf Ländern 9962 Menschen befragt, 1951 davon in Deutschland.
UNCTAD: Millenniums-Entwicklungsziele nahezu unerreichbar
Die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) hat ihren Handels- und Entwicklungsbericht 2009 vorgestellt. Darin warnt sie vor den dramatischen Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise für die Entwicklungsstaaten. Dem Bericht nach seien die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen deshalb vor allem in Subsahara-Afrika bis zum Jahr 2015 "so gut wie unmöglich zu erreichen".
BNE-Journal zum Thema Finanzkrise
Die Finanzkrise hält die Welt weiterhin in Atem. Und es bleibt abzuwarten, ob milliardenschwere Konjunkturpakete und Teilverstaatlichungen dazu führen, dass zukünftig mehr auf Sicherheit statt auf Rendite gesetzt wird. Die Frage ist, ob in der gegenwärtigen Krise auch die Chance steckt, dass in Zukunft neben rein ökonomischen Interessen Werte wie Umwelt- und Sozialverträglichkeit eine Rolle spielen. Mit dieser Thematik befassen sich die Beiträge des neuen BNE-Journals. Gerhard Scherhorn vom Wuppertal Institut erklärt, wie das Finanzgeschäft "zukunftsfähig umgepolt" werden kann. Klaus Gabriel von der Universität Wien zeigt, dass nicht nachhaltig orientierte Unternehmen sich selbst schaden. Und Martin Herrndorf von oikos International gibt Universitäten eine Mitschuld an der Finanzkrise und fordert die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in die universitäre Forschung. Bereits ausgebildete Ökonomen können sich am Institute for Social Banking zum "Social Banker" ausbilden lassen. Was dahinter steckt, erzählen Vertreter des Instituts im Interview. Darüber hinaus berichten offizielle Projekte der UN-Dekade davon, wie sie Bürgern dabei helfen, Finanzkompetenz aufzubauen und sich im vielfältigen Angebot der Finanzdienstleistungen zurechtzufinden. Das Internetportal "Bildung für nachhaltige Entwicklung" und das BNE-Journal sind ein Beitrag der Deutschen UNESCO-Kommission zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung", die von den Vereinten Nationen für die Jahre 2005 bis 2014 ausgerufen wurde.
Wirtschaftskrise gefährdet die Millenniumsziele
Die globale Wirtschafts- und Ernährungskrise hat die mühsam erreichten Fortschritte beim Kampf gegen Armut und Hunger verlangsamt oder zunichte gemacht. Der Millenniums-Entwicklungsbericht 2009, den UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am 06. Juli in Genf vorstellte, sieht die UN-Millenniums-Entwicklungsziele in Gefahr. Zwar gebe es viele Erfolge, doch die meisten Ziele seien nicht wie geplant bis 2015 zu erreichen, heißt es im Bericht. Dem Bericht zufolge gab es weltweite Fortschritte vor allem bei den stark sinkenden Armutsraten in Ostasien. Im südlichen Afrika herrsche hingegen weiterhin Stagnation und die Armutsrate blieb bei über 50 Prozent konstant.
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